Fragestellung
Was jemand
ist, wer er sein möchte und wie er von anderen gesehen werden
will, lässt sich
auf unterschiedliche Art und Weise darstellen. Während mit
Public Relations die
Außenwirkung von Unternehmen dargestellt wird, bedienen sich
Personen den Selbstdarstellungstechniken
des Impression-Managements[1].
Obwohl Abhandlungen der Geschichte der Psychologie erst mit der
Ablösung der
Psychologie von der Philosophie im Laufe des 19. Jahrhunderts[2]
beginnen, greifen Formen der Selbstdarstellung weit in die
Vergangenheit
zurück. Ob die Münzprägungen mit dem Abbild
des Kaisers im römischen Reich[3]
oder der Bau von Versailles durch Ludwig des XIV und seine gezielte
Förderung
künstlerischer Projekte – es diente der
Glorifizierung der eigenen Person und
der Herrschaftsleistung[4].
Weitere Formen der Selbstdarstellung finden ihren Ausdruck in
Autobiographien
als literarische Form der Selbstdarstellung, im Schauspiel, der
Performance als
Zwitterstellung zwischen bildender Kunst und Theater, im
Selbstporträt eines
Malers[5]
als auch in der Architektur. Man kann mit Sicherheit behaupten, dass
die
wenigsten Architekten in der heutigen Zeit mit ihren Entwürfen
Herrschaftsleistungen
ausdrücken werden. Obwohl die Bauleistungen der Superlative in
Dubai, mit
beispielsweise dem „Burj Dubai“, dem derzeit
höchsten Gebäude der Welt, stark
an imperiale Zeiten erinnern mögen[6].
Wenn heutzutage Gebäude zur Imagebeeinflussung in Auftrag
gegeben werden, so
spricht man eher von „Corporate Architecture“[7].
Dem Künstler, oder in diesem Falle dem Architekten, ist sehr
wohl bewusst, dass
durch seine Bauten, Rückschlüsse auf ihn als
Entwerfer gezogen werden und daher
behauptet Mummendey (1995) auch, dass dieses Wissen die Art und Weise
der
Herstellung des Werkes selbst beeinflussen wird[8].
Die
Selbstaufmerksamkeit (self-awareness), bei der sich die Person fragt,
wer sie
selbst ist und was sie selbst möchte, ist Teil des
Selbstkonzeptes. Der andere
Teil, das Konzept der Selbstüberwachung (self-monitoring),
fragt danach, wie
andere möchten, dass man selbst ist. Das bedeutet, dass der
Architekt sich
ständig im Prozess der Selbstkonzeptformung befindet, also in
Wechselbeziehung
zu Selbst- und Fremdbild (vgl. Abb. 11): auf der einen Seite bestimmt
er durch
die Gestaltung seines Projektes sein Selbstbild, worüber
Eigenschaften über ihn
selbst (dem Architekten) abgeleitet werden, die auf der anderen Seite
zur
Erzeugung eines Fremdbildes bei anderen Architekten oder potentiellen
Auftraggebern führt. Das Selbstkonzept, und damit auch das
Fremdbild, besteht
aber nicht nur aus den Entwürfen oder fertigen Bauten des
Architekten, obwohl
diese als Referenzobjekte einen Hauptanteil des Selbstkonzeptes
darstellen. Um
sich selbst darzustellen, müssen Architekten Antworten auf die
Fragen nach
ihren
Funktionen, Dienstleistungen und Fähigkeiten, Leidenschaften
und Werten,
Motiven und Visionen, Zielgruppen und nach ihrem Alleinstellungsmerkmal
geben[9].
Sich selbst positiv darzustellen ist nach
Mummendey (1995) die allgemein üblichste Art des
Impression-Managements[10].
Die meisten im Kapitel 4.2.1 aufgeführten positiven
Impression-Management-Techniken enthalten einen Anteil an Eigenwerbung
(self-promotion). Self-promotion ist demnach eine Zusammenfassung von
unterschiedlichen Impression-Management-Techniken.
Die
Visualisierung eines Projektes ist ein wichtiges Akquiseinstrument
für den
Architekten. Darüber hinaus spielen für die
Selbstdarstellung des Architekten
die oben aufgeführten Fragen zum Selbstkonzept ebenfalls eine
Rolle. Welche
Möglichkeiten der Selbstdarstellung haben Architekten? Neben
der
interpersonalen Kommunikation wie beispielsweise dem Gespräch
(zwischen
Personen, die physisch anwesend sind) besteht auch die
Möglichkeit über
Massenmedien[11]
mit
potentiellen Auftraggebern zu kommunizieren[12].
Unter Massenmedien fallen auch soziale online Netzwerke (SNS), um die
es in
dieser Arbeit im Kern geht. Die Kontrolle über die eigene
Eindrucksbildung im
Internet, und damit auch in SNS ist relativ hoch: nonverbale
Hinweisreize wie
Mimik und Gestik als auch paraverbale Hinweisreize wie Stimmlage fallen
bei
rein text- und bildbasierten Präsentationen der eigenen Person
weg[13].
Worauf achten Architekten bei ihrer Selbstdarstellung in sozialen
online
Netzwerken und welche Erwartungen haben sie an soziale online Netzwerke?
Aus den
theoretischen Ansätzen der Impression-Management-Theorie
ergibt sich folgende
Fragestellung in dieser Arbeit:
Frage 1: Welchen
Eindruck wollen Architekten
in sozialen online
Netzwerken vermitteln?
Dabei
beschränkt sich die Untersuchung ausschließlich auf
die Messung der positiven
Selbstdarstellungstechniken.
Darüber
hinaus sollen die Erwartungen von Architekten an soziale online
Netzwerke
ermittelt werden, die mit mehreren Studien verglichen werden. Die
Ergebnisse
münden in einer Empfehlung für ein
„optimales“ soziales online Netzwerk für
Architekten.
einem sozialen online Netzwerk?
[1] vgl. Kapitel 3.2 in dieser Arbeit
[2] vgl. Fischer, Wiswede 2002, S. 18 f.
[3] vgl. Weber 2003, S. 251
[4] vgl. Schumann 2003, S. 267
[5] vgl. Mummendey 1995, S. 21 ff.
[6] vgl. BauNetz Online-Dienst 2008
[7] Corporate Architecture ist die Anforderung
an die Architketur, die Gestaltung der Firmengebäude an die
Unternehmenswerte
anzupassen.
[8] Vgl. Mummendey 1995, S. 21
[9] vgl. Kapitel 4.4 in dieser Arbeit
[10] vgl. Mummendey 1995, S. 142
[11] Unter Massenkommunikation verstehen wir jene
Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne
begrenzte und
personell definierte Empfängerschaft) durch technische
Verbreitungsmittel
(Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder
raumzeitlicher Distanz
zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne
Rollenwechsel zwischen
Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum [...]
vermittelt
werden. Maletzke 1963, S. 32
[12] vgl. Jäckel 2008, S. 53 f.
[13] vgl. Bleicher, Konstanze 18.12.2006, S. 9 f.